Osnabrück

„Weil Recruiting nicht nur Reichweite bedeutet“

Sechs Fragen an Jobmesse-Initiator Stefan Süß

Die jobmesse osnabrück zieht für ihre 23. Ausgabe erstmals in die OsnabrückHalle. Mehr als 150 Unternehmen präsentieren sich und suchen den direkten Austausch mit potenziellen Bewerbern. TNI hat mit Stefan Süß, Geschäftsführer der veranstaltenden BARLAG werbe- & messeagentur, über den Standortwechsel, die Erwartungen der Arbeitgeber und den Wert persönlicher Begegnungen im Recruiting gesprochen.

Stefan, die jobmesse osnabrück findet 2026 erstmals in der OsnabrückHalle statt. Was verändert sich dadurch für Besucher und Aussteller?
Vor allem bekommen wir deutlich mehr Möglichkeiten. Unsere Aussteller können sich großzügiger präsentieren, gleichzeitig wird die Veranstaltung für die Besucher übersichtlicher und komfortabler. Die zentrale Lage der OsnabrückHalle ist natürlich ein weiterer Vorteil.
Entscheidend ist aber: Der neue Standort schafft Raum für Erweiterungen. Die Nachfrage der Unternehmen ist seit vielen Jahren erfreulich hoch. Jetzt können wir dieser Entwicklung auch räumlich gerecht werden.

Worin unterscheidet sich die Jobmesse von anderen Karriere-Veranstaltungen, die es in der Region gibt?
 Viele Karriereveranstaltungen konzentrieren sich vor allem auf Schulabgänger oder Berufseinsteiger. Die jobmesse ist bewusst breiter aufgestellt. Unser Angebot ist so vielfältig wie die Besucherinnen und Besucher selbst: Vom nächsten Karriereschritt für Quer- oder Wiedereinsteiger bis hin zum Berufseinstieg und den ersten Ausbildungs- oder Studienplätzen.
Gerade durch den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel verändert sich das Publikum spürbar. Immer mehr berufserfahrene Fachkräfte kommen zu uns, weil sie sich anderweitig orientieren, beruflich verändern oder noch einmal eine neue Herausforderung annehmen möchten. Genau darin liegt eine große Stärke der jobmesse: Arbeitgeber treffen hier nicht nur Nachwuchstalente, sondern Menschen mit ganz unterschiedlichen Qualifikationen, Erfahrungen und Lebensläufen. Und im persönlichen Gespräch zeigt sich oft sehr schnell, welche Möglichkeiten daraus entstehen können.

Was sagst du Unternehmen, die fragen: „Warum soll ich einen Stand buchen, wenn ich meine Stellen auch online ausschreiben kann?
Weil Recruiting nicht nur Reichweite bedeutet. Die entscheidende Frage ist, wen ich erreiche und wie schnell aus Aufmerksamkeit ein echter Kontakt wird, aus dem sich mehr entwickeln kann.
Bei uns treffen Arbeitgeber auf Menschen, die sie über klassische Stellenanzeigen möglicherweise gar nicht erreichen würden oder die nicht aktiv auf Jobsuche sind. Natürlich kann ein Messestand keine Einstellung garantieren. Aber er schafft die Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden viele Gespräche zu führen und die eigene Arbeitgebermarke unmittelbar erlebbar zu machen. Dass wir auch 2026 wieder mehr als 150 Unternehmen zusammenbringen, zeigt, dass der direkte Austausch für viele Arbeitgeber trotz digitaler Recruitingkanäle weiterhin einen hohen Stellenwert hat.

Persönlicher Kontakt klingt gut. Aber was muss ein Besucher konkret tun, damit aus einem fünfminütigen Gespräch tatsächlich eine berufliche Chance wird?
Am besten nicht einfach mit dem Satz „Ich suche einen Job“ ins Gespräch starten. Wer sich vorher ein wenig über interessante Arbeitgeber informiert und konkrete Fragen mitbringt, kann das Gespräch deutlich gezielter führen.
Es muss übrigens nicht immer schon eine fertige Bewerbung sein. Gerade Schüler oder Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten, können zunächst herausfinden, welche Berufe, Ausbildungswege oder Einstiegsmöglichkeiten überhaupt zu ihnen passen.
Deshalb bieten wir neben den Unternehmensständen auch Bewerbungs-Checks, Bewerbungsfotos sowie Vorträge und Workshops an. Wir möchten nicht nur Stellen präsentieren, sondern Menschen dabei unterstützen, ihren nächsten Schritt besser vorbereitet zu gehen.

Der Umzug ist auch ein Abschied: Die bisherige Location war seit 2004 die Heimat der Jobmesse. Was bedeutet dieser Wechsel für dich persönlich – und gibt es auch Risiken?
Natürlich. Das Autohaus – zunächst BMW Walkenhorst, später WELLER – war über zwei Jahrzehnte unser „Wohnzimmer“ und die Geburtsstätte der jobmesse deutschland tour. Von hier aus ist das Format inzwischen bis nach Österreich gewachsen. Mit vielen Menschen vor Ort verbinden uns sehr persönliche Erinnerungen. Für diese Zusammenarbeit sind wir sehr dankbar.
Gleichzeitig war der Wechsel keine reine Wunschentscheidung. Durch den umfangreichen Umbau der bisherigen Location stand uns dort perspektivisch deutlich weniger Fläche zur Verfügung – bei gleichzeitig hoher Nachfrage unserer Aussteller.
Ein neuer Standort bringt immer auch Unsicherheit mit sich. Alle Beteiligten müssen sich neu orientieren, und letztlich ist es an uns zu beweisen, dass das Konzept auch in der neuen Umgebung funktioniert. Genau deshalb ist die erste Ausgabe in der OsnabrückHalle für uns mehr als ein Umzug. Sie ist ein wichtiger Schritt dafür, wie wir die Messe in den kommenden Jahren weiterentwickeln können.

Woran machst du am Ende des Messetages fest, ob der Neustart in der OsnabrückHalle erfolgreich war?
Nicht allein an Besucherzahlen. Natürlich ist es schön, wenn die Halle voll ist. Für mich ist ein erfolgreicher Messetag aber vor allem daran zu erkennen, dass intensive und gute Gespräche stattgefunden haben – zwischen Arbeitgebern und Bewerbern, aber auch zwischen Menschen, die vielleicht erst durch die Veranstaltung auf eine neue berufliche Möglichkeit aufmerksam geworden sind.
Ich möchte außerdem von unseren Ausstellern wissen: Haben sie die richtigen Menschen erreicht? Konnten sie interessante Kontakte knüpfen? Und was können wir beim nächsten Mal besser machen?
Denn nach mehr als 20 Jahren wissen wir auch: Eine Messe darf sich nicht nur an ihrer eigenen Tradition messen lassen. Sie muss sich immer wieder daran orientieren, was Unternehmen und Besucher aktuell brauchen.

Hier geht es zum Interview im TNI!

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